Am 5. August beginnen in Rio de Janeiro die Olympischen Sommerspiele. Fabian Kauter vom Fechtclub Bern ist in Top-Form - und etwas lockerer als vor vier Jahren in London. Im Interview erzählt er, wie der Countdown für ihn läuft. 

Fabian Kauter, zählst du schon die Tage bis Rio?
Nein, ich habe anderes im Kopf. Nach der EM in Polen letzte Woche kommen jetzt zwei Wochen Training in Bern und eine Woche in Tenero. Rio ist für mich derzeit noch ziemlich weit weg.

Du hast vor vier Jahren in London dein Olympia-Debut gegeben. Was ist dieses Mal anders?
Vor London war ich schon im Vorfeld wesentlich euphorischer. Die Vorfreude war damals riesig, und ich konnte es kaum erwarten. Die Erwartungen waren auch enorm hoch, und das erzeugt natürlich Druck. Dieses Mal nehme ich alles etwas lockerer, und das ist gut so. In Rio bin ich sozusagen eine modifizierte bessere Version von London. Davon gehe ich jedenfalls aus.

In London waren Max Heinzer und du die einzigen Schweizer Fechter. Nun seid ihr zu viert, mit Beni Steffen als drittem Einzelkämpfer und Peer Borsky für den Teamwettkampf. Wie fühlt sich das an?
Gut. In Rio haben wir zwei Einsätze und nicht nur einen, und der Erfolgsdruck ist jetzt auf acht Schultern verteilt. Das gibt schon Entlastung.

Was unterscheidet einen Wettkampf an Olympischen Spielen von einem «gewöhnlichen» Wettkampf?
Wenn ich auf der Piste stehe, merke ich keinen Unterschied. Es geht mehr um das Drumherum. In London war ich total überrascht von der riesigen Aufmerksamkeit durch die Medien. Es ist natürlich cool, wenn man überall Interviews geben kann und von Radio und TV angefragt wird. Allerdings läuft man bei dem Rummel um die eigene Person Gefahr, sich vom Wesentlichen ablenken zu lassen, nämlich vom Sport. Daran werde ich in Rio sicher denken.

Am 9. August um 10.15 Uhr beginnen in Rio die Startgefechte. Bist du gut vorbereitet?
Ja, ich fühle mich gut. Kraftmässig bin ich auf Top-Level, so dass ich mich jetzt ganz auf Spritzigkeit und Technik konzentrieren kann. Seit vier Jahren arbeite ich mit einer Mentaltrainerin, und seit zwei Jahren mit Andreas Lanz als Personal Trainer. Ich hoffe natürlich, dass sich diese Vorbereitung in Rio auszahlen wird. Ausserdem bin ich dieses Mal besser gefasst auf die zahlreichen Nebenschauplätze an Olympischen Spielen, sprich auf das, was neben der Piste abgeht. Es wird mir sicher leichter fallen, konzentriert zu bleiben. Die mentale Verfassung ist enorm wichtig, und die ersten Treffer macht man schon im Vorfeld, mit der Haltung und mit der Körpersprache.

In Paris hast du dich am Knie verletzt. Ist das wieder ganz in Ordnung?
Ja, es war zum Glück nichts Ernstes, lediglich eine Prellung. Wäre das an Olympia passiert, hätte ich weiter gefochten, doch ich wollte kein Risiko eingehen. Jetzt ist alles wieder tiptop.

Welche Ziele hast du dir für Rio gesteckt?
Für mich liegt alles drin. Ich bin sehr gut in Form, kann mich jedem Gegner technisch anpassen und habe trotzem meinen eigenen Stil. Das ist eine super Ausgangslage. Theoretisch kann ich jeden schlagen.

Fabian Kauter, wir drücken dir die Daumen und wünschen dir viel Erfolg in Rio!

Road to Rio der International Fencing Federation FIE

Website von Fabian Kauter

 Fabian Kauter vom Fechtclub Bern ist in Top-Form. (Foto: zvg)

Fabian Kauter vom Fechtclub Bern ist in Top-Form. (Foto: zvg)

 Fabian Kauter (rechts) und Bas Verwijlen kreuzen die Klingen. (Foto: zvg)

Fabian Kauter (rechts) und Bas Verwijlen kreuzen die Klingen. (Foto: zvg)

 «Für mich liegt alles drin»: Fabian Kauter ist bereit für Rio 2016. (Foto: zvg)

«Für mich liegt alles drin»: Fabian Kauter ist bereit für Rio 2016. (Foto: zvg)

 «Theoretisch kann ich jeden schlagen»: Fabian Kauter ist zuversichtlich für die Olympischen Spiele in Rio. (Foto: zvg)

«Theoretisch kann ich jeden schlagen»: Fabian Kauter ist zuversichtlich für die Olympischen Spiele in Rio. (Foto: zvg)